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Vom Beruf über den Job zum Albtraum
Es ging im Juli 2008 wieder einmal wie ein Erdbeben durch die Medienwelt. Siemens will über 15000 Mitarbeiter in Deutschland
entlassen. Kaum ein halbes Jahr vorher wurde die VDO Sparte an Continental verhöckert. Der Preis betrug ca.
11 Milliarden Euro, die Siemens wiederum benötigte um die gerichtlich verhängten Bußgelder für die Bestechungsaffären
zu bezahlen. Einige Monate nach dem Kauf von VDO kündigte Continental dann den Abbau von ca. 2000 Stellen an. Die meisten
davon in Deutschland.
Das ist nur ein Beispiel aus dem Sumpf der Niederlagen und Rückschläge in den immer weitere Firmen und Konzerne
gezogen werden. Die westliche Industriegesellschaft zerfällt. Der Produktionsstandort Deutschland ist unattraktiv
geworden. Die Werkssirenen, die vor 30 Jahren noch den Arbeitstag von hundertausenden Arbeitern umrahmt haben verstummen eine
nach der anderen. In China, Thailand und auf den Phillipinen wird einfach billiger produziert. Dort werden die
Arbeitskräfte mit 100 bis 200 Euro pro Monat abgespeist und es gibt keine lästigen Gewerkschaften. Das
Industriezeitalter, das dem kleinen Mann doch einen gewissen Wohlstand gebracht hat, ist für uns in Deutschland ein für alle mal
zu Ende. Dieser Realität muß man sich stellen.
Als kurz nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland die Industrie wieder aufgebaut wurde, war das eine
Leistung von markanten Persönlichkeiten mit einem ausgeprägten wirtschaftlichen und sozialen Verständnis und
Verantwortungsgefühl. Für diese Wirtschaftskapitäne waren Ihre Mitarbeiter das wertvollste Betriebskapital.
Sie schafften es das auch den Mitarbeitern zu vermitteln, was eine enorm motivierende Wirkung hatte. Nur durch
diese Zusammenhänge aus Sozialer Verantwortung, wirtschaftlichem Können und Motivation entstand eine fruchtbare
Aufbruchstimmung. Dadurch wurde es möglich, daß alle gemeinsam an einem Strang zogen und die Industrie buchstäblich
aus Schutt und Asche wie ein Phönix neu entstand.
Die Generation dieser Wirschaftskapitäne existiert nicht mehr. Sie haben altersbedingt alle abgemustert und
wurden in den allermeisten Fällen von einer Riege farbloser Manager McKinsey'scher Machart ersetzt.
Soziale Verantwortung existiert in dieser Riege nicht mehr. Wie man den Medien entnehmen kann, sind einige
dieser Herrschaften eher Kandidaten für den Knast, als ehrbare Chefs, die ihre Verantwortung für die Menschen
sehen, deren Existenz von der Arbeit im Betrieb abhängt. Wer dem Steinzeitkapitalismus amerikanischer Machart fröhnt
kennt natürlich bestenfalls seine Verantwortung für den "share holder value". Der Aktienkurs ist inzischen alles
was noch zählt. Dieser wird jedoch enorm positiv beeinflußt, wenn man Nachrichten von Stellenabbau verbreitet oder
noch ein Brikett auf das Feuer des Globalisierungswahns legt und irgendwelche Expansionsabsichten kund tut.
Wohl dem der sich da vorher mit den richtigen Aktien eingedeckt hat. Der Mitarbeiter im Betrieb ist da natürlich nur noch ein
lästiger Fresser, den man optimieren muß. Am besten weg optimieren, also entlassen, dann kostet er nichts mehr.
Der Rest der Mitarbeiter wird dann durch etwas mehr Druck und Angst um den Job einfach mehr arbeiten.
Diese Entwicklung in der Wirtschaft beeinflußt natürlich die ganze Berufswelt. Konnte man früher davon ausgehen,
daß man seinen Arbeitsplatz praktisch ein ganzes Arbeitsleben lang behalten konnte, so sind inzwischen selbst
hochqualifizierte Berufe zum "Hire and Fire Job" verkommen. Leistungsträger jeglicher Art, wie z.B.
Ingenieure mit Erfinderqualitäten müssen inzwischen damit rechnen, wie im Falle Siemens, morgen ohne Job dazustehen. Weniger qualifizierte
Arbeitsplätze werden durch Zeitarbeiter abgelöst oder wie in vielen kleineren Betrieben durch 400 Euro Jobs
auf Stundenbasis.
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